Solardachkataster für Mittelhessen

Solarthermie
Solarthermie
Ende April wurde in Wiesbaden das Pilotprojekt eines Solardachkatasters vorgestellt, das Hausbesitzern eine unabhängige und neutrale Information darüber bietet, ob ihr Dach zur solaren Strom- oder Wärmeerzeugung geeignet ist. Projektleiterin ist Frau Prof. Martina Klärle von der FH Frankfurt, die auch für das Energieportal des Regierungspräsidiums Gießen www.energieportal-mittelhessen.de verantwortlich zeichnet. Umweltministerin Lucia Puttrich schaltete das Portal am 24. April frei, das unter www.solardach.hessen.de zu finden ist.

Mithilfe einer interaktiven Karte lässt sich diese Frage nun für mehr als 580.000 Dächer in einigen Modellregionen in Mittelhessen und im Rhein-Main-Gebiet mit wenigen Mausklicken beantworten. Für die Entscheidung, ob eine Investition wirtschaftlich ist, ist dies eine gute Unterstützung. Der Region Mittelhessen und dem Land Hessen hilft dies Ihre Ziele beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu erreichen. Die Solarenergie spielt besonders bei der Wärmeversorgung eine wichtige oftmals unterschützte Rolle.

Deutschlands größtes Solardachkataster

Das Kataster umfasst derzeit 32 Kommunen in den Kreisen Gießen, Marburg-Biedenkopf,  Lahn-Dill, Hochtaunus, Main-Kinzig und Rheingau-Taunus, darunter auch den gesamten Main-Taunus-Kreis und Teile von Frankfurt. Bis auf einen Viertelquadratmeter genau wurden die Dächer durch Überfliegungen erfasst. Die Gesamtfläche des Pilotprojekts beträgt rund 1.000 Quadratkilometer und umfasst ca. 580.000 Gebäude.

Etwa 41 Prozent der Dächer sind gemäß der Berechnungen für Photovoltaik nutzbar, für Solarthermie zur Erzeugung von Warmwasser und Heizungdsunterstützung51 Prozent. Für beide Arten von Anlagen gibt es einen Ertragsrechner, der Investition, Energieproduktion, Einsparpotenziale und beim Strom die Erlöse berechnet.

Ungenutztes Potenzial

Auch der Datenschutz spiele bei dem Pilotprojekt eine wichtige Rolle. Durch ein differenziertes Verfahren, das in Absprache mit dem hessischen Datenschutzbeauftragten entwickelt wurde, ist sichergestellt, dass Bürgerinnen und Bürger, deren Dachflächen nicht in dem Kataster sichtbar sein sollen, Gelegenheit erhalten sich zu melden. „Wir erhoffen uns mit einem solchen Kataster, den Ausbau der solaren Energienutzung auf Gebäuden voranzubringen, da hier das Potenzial bei Weitem noch nicht erschlossen ist“, so Puttrich. Eine Ausweitung des Katasters auf ganz Hessen wird vom Verlauf des Pilotprojektes abhängig gemacht.

Technischer Hintergrund

Das Solardachkataster gibt für jedes einzelne Dach Auskunft über die Eignung des Daches für Photovoltaik und Solarthermie, die Größe der geeigneten Dachfläche, den passenden Modultyp, den potenziellen Stromertrag, die CO2-Einsparung und das Investitionsvolumen. Die Berechnung des solaren Energiepotenzials bestehender Dachflächen basiert auf hochaufgelösten Laserscan-Daten, die mittels einer Befliegung gewonnen wurden. Die Befliegung der gesamten Landesfläche wird voraussichtlich Ende des Jahres abgeschlossen sein. Durch das Zusammenwirken unterschiedlichster Katasterdaten und einer Simulation der Sonneneinstrahlung über den Tag und das Jahr hinweg kann für jede einzelne Dachfläche der zu erwartende Stromertrag exakt berechnet werden. In das Projekt eingebunden sind die Fachhochschule Frankfurt, das Hessische Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation (Befliegung und Bereitstellung der Daten) und das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (Erstellung des Internetviewers und Aufbereitung der Daten für die Visualisierung).